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Der Barzlin ist ein Naturschutzgebiet im Spreewald.
Fährt man von der Hauptstraße aus die Krimnitzer Kahnfahrt bis ans Ende, gelangt man an einen idyllisch gelegenen Wanderrastplatz, an dem der Gurkenradweg vorbeiführt. Am Rastplatz befindet sich eine überdachte Holzkonstruktion: ein zusammen geschraubtes Bank-Tisch-Ensemble. Daneben ist ein scheinbar natürlicher Hafen, in dem sich die Uferbegrünung an der Hauptspree schön widerspiegelt.
Über die Spree führt eine Betonbrücke, die ihre besten Zeiten schon hinter sich hat. Über diese Brücke gelangt man ins Barzlin. Die Zufahrt ist für motorisierte Fahrzeuge verboten, man kann aber zu Fuß oder mit dem Rad ins Naturschutzgebiet.
Es ist ein lieblicher Ort, wo es jede Menge Gegend gibt. Hier ist es auszuhalten.
Am Ufer der Spree sind mehrere Angler, die eine wohlige Ruhe ausstrahlen. Es sind auch nur wenige, die nicht den Charakter einer Anglermafia verbreiten.
Am hölzernen Bank-Tisch-Rastplatz sitzen zwei pausierende Radler. Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern, die Idylle ist perfekt. Was will man mehr?
Hier werde ich die Nacht verbringen und fotografieren. Noch ist es zu hell, um den Sternenhimmel zu fotografieren. Ich werde einfach warten.
Der Ort leert sich. Die Radfahrer sind inzwischen verschwunden, die Angler räumen ebenfalls ein. Gehen vielleicht fernsehen. Achwaswosach!
Und weg sind sie.
Ich bin allein, jetzt fehlt nur noch die Dunkelheit. So lange es noch hell ist, baue ich mein Stativ auf der Brücke samt der Mittelformatkamera auf und suche eine schöne Einstellung entlang der Spree. Ich gehe ein paar Schritte auf dem Gurkenradweg, als ein Motor zu hören ist. Ein kleiner Kastenwagen hält unmittelbar in meiner Nähe, auf der Tür ist eine Beschriftung, die dem Vehikel einen amtlichen Touch verleiht, irgendetwas mit Amt oder Gemeinde.
Der Fahrertür entschlüpft
  ein Mann, der sich ans Ufer bewegt. Er kommt zurück. Ich spreche ihn an und teile ihm mein Erstaunen mit, hier und heute doch noch jemanden zu treffen.
Ich dachte, ich wäre für den Rest des Tages allein. Ohne mich eines Blickes zu würdigen brubbelt er in mürrischem Ton, indem er hinten an der Hecktür seines Wagens irgend etwas herumnestelt, er sei hier, um zu kontrollieren, ob noch geangelt würde. Es sei nämlich verboten nach –er nennt eine Uhrzeit- zu angeln.
„Und was machen Sie hier?“, fragt er, ohne aus dem Innern seines Kastenwagens zu schauen.
Ja, was mache ich hier? Es erscheint mir zu umständlich zu sein, ihm zu erklären, dass ich vorhabe bei Blende 5,6 meinen 21DIN-Film eine halbe Stunde zu belichten, damit sich auf dem Film vor dunklem Nachthimmel die Sternenbahnen abzeichnen. Stattdessen sage ich einfach, ich hätte vor die Dunkelheit zu fotografieren, um so vielleicht sein Interesse zu wecken, was ich denn damit meine.
Er dreht sich mir jetzt erstmalig zu, seine Augen sind vor Verwunderung geweitet, die Augenbrauen hochgezogen, die Stirn in Falten. Ich fühle mich, als hätte ich gerade gesagt, ich hätte vor mich ans Ende der Welt durchzugraben.
Mit einem lauten Klatschen schlägt er sich unvermittelt und für mich unvorbereitet mit der flachen Hand an die Stirn und sagt: „Au Mann! Idioten gibt’s. Ich glaub’s ja nicht!“
Die ganze Zeit vor Fassungslosigkeit den Kopf schüttelnd, geht er ums Auto, steigt ein, startet den Motor und fährt den Weg zurück, den er gekommen war.
Ich höre seine Worte förmlich, wenn er zu Hause seiner Frau vor der samstäglichen Quizshow berichtet: „Du, Erna, du wirst es nicht glauben, …“
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